Essen ist für die Katalanen eine ernst zu nehmende Angelegenheit, nichts was man nebenher erledigt. Während die Deutschen im Schnitt ungefähr 7 % ihres Monatseinkommens für Lebensmittel ausgeben, ist es bei den Katalanen das Doppelte. Obwohl natürlich die moderne Lebensweise, und die Tatsache, dass immer mehr Frauen arbeiten, und deshalb nicht die Zeit haben, aufwändig zu kochen, das Bild etwas verändert haben, ist Essen in Katalonien ein wichtiges Stück Lebensqualität.
Frühstück: morgens hält man sich allerdings eher zurück. Ein Milchkaffee und ein paar Kekse oder ein Croissant (am Wochende), damit beginnen die meisten Katalanen den Tag. Wer allerdings hart arbeitet, wie die Bauarbeiter oder Fischer braucht natürlich ein paar mehr Kalorien, sie essen ein Entrepa, bestehend aus Brot, auf dem statt Butter eine reife Tomate zerrieben und das mit Olivenöl und Salz gewürzt wird. Der Belag besteht aus Käse, Schinken (luftgetrocknet natürlich) oder anderem Aufschnitt. Dazu gibt es eine Cola, oder aber schon mal ein Bier oder ein Glas Wein.
Mittagessen: Die Küche in Katalonien ist bodenständig und deftig. Auf die Zutaten kommt es an, die müssen von bester Qualität sein, und richtige katalanische Hausfrauen können ihren Metzger oder Gemüsehändler durchaus das Fürchten lehren. Unter der Woche isst man oft Gemüse, einfach in Wasser gedämpft, als zweiten Gang Fisch oder Fleisch. Natürlich gibt es viele typische Gerichte, für die jede Hausfrau ihr eigenes Rezept hat. Ein Nachtisch kommt jeden Tag auf den Tisch, aber unter der Woche ist es in der Regel ein Stück Obst oder ein Joghurt.
Sonntags wird das Mittagessen regelrecht zelebriert. Man trifft sich mit der Familie und das Essen kann schon mal bis in die frühen Abendstunden gehen. Eine typischer Sonntags-Brauch in Katalonien ist der Vermut, den man in einer Bar zu sich nimmt. Man trinkt einen Wermuth oder die alkohlfreie Version Bitter, eine bonbonrosa Brause,die wie eine Mischung aus Mundspülung und Kaugummi schmeckt, dazu gibt es Chips, Oliven und Herzmuscheln aus der Dose.
Danach geht man zum Essen. Das beginnt vielleicht mit einem Pica Pica: Käse und luftgetrockene Dauerwurst, Schinken, Oliven… alles, was den Appetit anregt eben. Dann geht es mit den Vorspeisen los, je nach Anlass gibt es mehr oder weniger: gefüllte Eier, Kartoffeln aus Olot, Kroketten, eine Suppe…
Darauf folgt der zweite Gang, der ebenfalls aus bis zu drei verschiedenen Gerichten bestehen kann. In der Familie meines Mannes gibt es zum Beispiel zum traditionellen Weihnachtsessen am 25. Dezember als Hauptgang zuerst gefüllte Tintenfische, dann Huhn mit Kaisergranat und dann einen Rinderbraten. Dazu einen Salat, damit das Fleisch oder der Fisch besser rutscht – und das ist spätestens beim zweiten Hauptgang nicht mehr so recht der Fall…
Auch der Nachtisch fällt natürlich am Sonntag aufwändiger aus. Eine Crema Catalana (eine Art Pudding mit einer Haut aus karamelisiertem Zucker, ein Flan (Eierpudding) oder hausgemachtes Backwerk sind typische Postres.
Nach so einem Essen kann man das Abendessen getrost ausfallen lassen, das sorgt dann auch für einen gewissen Kalorien-Ausgleich.
Zum Abendessen, das in Katalonien selten vor neun Uhr abends beginnt, gibt es wieder drei Gänge, die allerdings sehr leicht ausfallen: eine Suppe, ein Salat oder eine Portion gedämpftes Gemüse als ersten Gang, dann folgt ein Stück Fisch oder Fleisch, vorzugsweise fettfrei gegrillt und wieder ein Stück Obst oder einen Joghurt als Nachtisch.
Hier ein Rezept meiner Schwiegermutter: Reis mit Artischocken, ein Gericht, das fürs Wochenende nicht fein genug ist, das unter der Woche als Plat unic (einziger Teller), als Hauptgericht, das keine Vorspeise erfordert, gilt.
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