In ganz Spanien, und da ist Katalonien keine Ausnahmen, ist Essen sehr wichtig. Da gibt es viele Gepflogenheiten die fast schon den
Status von Ritualen haben. Man isst, was die Jahreszeit bietet und im Januar und Februar sind zumindest an der Küste die Seeigel an der Reihe. Früher bevölkerten sie millionenfach die felsigen Küstenabschnitte der Costa Brava. Eine starke Überfischung hat dazu geführt, dass sie heute unter Schutz stehen und nur noch mit einer besonderen Lizenz gefischt werden dürfen. Sie sind teuer, und das hat seinen Grund. Da man sie hauptsächlich an felsigen Uferabschnitten fängt, an die man mit dem Boot schlecht heranfahren kann, müssen sich die Fischer notgedrungen in ihren Wetsuit werfen und nach den Tieren tauchen – kein rechtes Vergnügen, denn im Januar und Februar ist das Wasser an der Costa Brava am kältesten.
Wie isst man Seeigel? In manchen Restaurants stehen sie auf der Speisekarte, pur oder verarbeitet, und so wird man sie als Tourist am ehesten kennen lernen. Sie schmecken salzig und nach Meer und sind nicht jedermanns Sache. Die Einheimischen essen sie lieber am Strand: Man bestellt die Seeigel beim Fischer (oder man fängt sie selber, mit einer Art überdimensionaler Gabel deren Zinken vorne umgebogen sind und die an einer langen Stange befestigt ist – das ist natürlich illegal aber die Küstenbewohner verstehen den fang von Seeigeln als eine Art Urrecht). Dann braucht man nur noch eine Schere, Brot und Wein. Mit der Schere sticht man in die Mundöffnung des Tieres und schneidet es rundherum auf. Wenn man Glück hat ( denn nicht alle Seeigel sind wirklich gut) leuchtet einem jetzt der orangene Rogen des Seeigels entgegen. Man säubert ihn mit der scheren Spitze von Schlamm und Seewasser und kann ihn dann mit einem Stück Brot auswischen und Essen. Puristen haben einen Teelöffel dabei, mit dem sie das Innere auskratzen können, so brauchen sie kein Brot. Das Ganze wird mit reichlich Wein heruntergespült.
Seeigelessen am Strand ist natürlich viel mehr als einfach nur eine Mahlzeit: Es ist Lebensqualität pur. Man trifft sich mit Freunden, isst und trinkt ( zum Nachtisch darf natürlich der Cava nicht fehlen), lässt sich die noch schwächliche Wintersonne auf die Nase scheinen, und ist einmal mehr aus tiefster Seele davon überzeugt, an einem der schönsten Flecken der Erde zu leben.
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