Portbou ist ein kleines Küstendorf mit einem großen Bahnhof. Es liegt direkt an der Walter Benjamin in Portboufranzösischen Grenze und seine Vergangenheit war wohl glorreicher als seine Gegenwart – heute geht das Leben hier einen sehr gemächlichen Gang. Trotzdem lohnt ein Stopp und und ein Spaziergang durch seine Gassen, den man mit einem Kaffee auf der Platanenbestandenen Plaza abschließen kann.

Die wirtschaftliche Bedeutung von Portbou als Grenzbahnhof ist stark zurückgegangen. Neben Irun am Atlantik war Portbou der wichtigste Bahnhof an der Grenze von Spanien zu Frankreich. Hier muss durch den Unterschied zwischen der französischen Normalspur und der spanischen Breitspur alle Ware umgeladen werden, Passagiere müssen umsteigen. Den gigantischen Bahnhof hat man 1929 zur Weltaustellung eröffnet. Inzwischen läuft der Löwenanteil des Bahnverkehrs zwischen Frankreich und Katalonien über die Hochgeschwindigkeitsstrecke Figueres-Perpignan und Portbou ist an den Rand der Karte gerutscht…

Während des dritten Reiches war Portbou ein Hafen der Hoffung für viele Flüchtlinge, die aus Hitlerdeutschland fliehen mussten. Der prominenteste Fall ist Walter Benjamin, der deutsche Philosoph und Literaturkritiker kam 1940 auf der Flucht nach Portbou. Walter Benjamin wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin geboren, er wuchs als Kind assimilierter Juden in Berlin auf. Nach seiner Promotion arbeitete er als freier Schriftsteller, er intersserte sich für den Komunismus, reiste viel und war zuhause in der weltoffenen und interessierten Literaturszene der Zwanzier Jahre des 20. Jahrhunderts. Zu seinen Freunden zählten Bertold Brecht und Theodor W. Adorno.

Direkt nach der Machtübernahme der Nazis 1933 ging Benjamin nach Paris ins Exil. Hier lebte er in großer Armut, Hannah Arendt unterstütze ihn ein wenig und er hatte ein schmales Gehalt vom Institut für Sozialforschung, dass der nach New York emigrierte Max Horkheimer leitete. 1940 wollte er über Spanien und Portugal in die USA gelangen und reiste zunächst nach Maseille und von dort weiter nach Portbou. Mit Hilfe von LisaFittko gelangte er über die Grenze nach Spanien, aber trotz des geglückten illegalen Grenzübertritts fürchtete er immer noch eine Auslieferung an die Deutschen und nahm sich, verzweifelt über seine Situation und wohl auch zermürbt durch die Jahre im Exil in der Nacht vom 26. auf den 27. September 1940 das Leben.

Heute erinnert in Portbou das wirklich eindrucksvolle Denkmal „Passagen“ des israelischen Künstlers Dani Karavan an Walter Benjamin.

Auch Lisa Fittko vedient hier ein paar Worte: sie wurde1909 in Österreich-Ungarn geboren und wuchs in Wien auf. Schon 1933 leistete sie Widerstand gegen die Nazis und musste nach der Verbreitung von antifaschistischen Flugblättern nach Prag fliehen. Später ging sie nach Frankreich, lebte zunächst in Paris und organisierte zusammen mit einer Fluchthilfeorganisation Hilfe für die vom Vichy-regime bedrohte Menschen. Sie führte

Lisa Fittko

Lisa Fittkos Buch

immer wieder Flüchtlinge über die Pyrenäen nach Spanien. Diese Epoche ihres Lebens beschreibt sie in ihrem Buch „Mein Weg über die Pyrenäen“. Später gelang ihr zusammen mit ihrem Mann die Flucht nach Kuba, dann nach Chicago, wo sie an der Universität lehrt und sich der amerikanischen Friedensbewegung anschließt.

Im Andenken an Lisa und Hans Fittko wurde im französischen Banyuls-Sur-Mer eine Gedänkstätte eingerichet. Vom Museum aus führt ein Wanderweg über die alte Fluchtroute nach Portbou – während der fünstündigen Wanderung kommt dem Wanderer das Schiksal der Flüchtlinge vielleicht näher, als es im Museum jemals der Fall sein könnte.

 

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